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08. April 2014
Flüchtlinge „Europa schiebt uns hin und her“
Von Marie-Sophie Adeoso
“Protest ist unsere einzige Alternative, ein wenig E8influss zu nehmen”: Paulos Yacob (Mitte) bei der Demo vor drei Wochen. Foto: Alex Kraus

Dort, wo Paulos Yacob herkommt, werden Menschen “willkürlich getötet und verhaftet”, sagt der Flüchtlingsaktivist aus Eritrea. Auch in Italien sei sein Leben bedroht, und doch soll er dorthin zurück. Im FR-Interview spricht er über die heutige Demonstration gegen die EU-Asylgesetze, die Menschen wie Spielbälle behandle.
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Herr Yacob, warum sind Sie nach Europa geflüchtet?

Ich komme aus Eritrea, einer Diktatur, wo Menschen willkürlich getötet und verhaftet werden. Ich bin von dort geflohen, um Frieden, Würde und Schutz zu finden. Über den Sudan, Syrien und die Türkei kam ich übers Mittelmeer nach Italien.

Weshalb sind Sie von dort weiter nach Deutschland gereist?

Ich hatte nur gefälschte Papiere und es hat Jahre gedauert, ehe ich legale bekam. Ich konnte in dieser Zeit nicht arbeiten und habe auf der Straße geschlafen. Das war hart, einmal hat mich jemand mit dem Messer angegriffen und versucht, mich umzubringen. Ich bin nicht aus Eritrea geflohen, um in Italien mein Leben zu riskieren, sondern um es zu retten!
Zur Person

Paulos Yacob, 42, ist aus Eritrea geflüchtet. Wie vielen Flüchtlingen droht ihm aufgrund der EU-Gesetze die Abschiebung nach Italien, wo er lebte, ehe er ins Rhein-Main-Gebiet kam.

Die Demonstration zieht heute ab 14.30 Uhr vom Hauptbahnhof (Kaisersack) zur CDU-Fraktion, Bethmannstraße 3, und zur SPD-Geschäftsstelle, Fischerfeldstraße 7-11. (msa)

Nun leben Sie in Eschborn. Wie geht es Ihnen dort?

Nachdem ich in Italien war, habe ich nicht mehr erwartet, irgendwo gastfreundlich behandelt zu werden. Ich danke der deutschen Regierung dafür, dass ich nun in einer guten Situation leben kann. Ich habe mein eigenes Zimmer, ich bekomme Geld für Essen. Vorher dachte ich, dass Europa die Genfer Flüchtlingskonvention überhaupt nicht achtet. Aber hier habe ich gemerkt: Es gibt doch Gerechtigkeit. Man kann hier sogar ohne Angst demonstrieren.

Nach der Dublin-Verordnung im EU-Asylrecht, wonach Flüchtlinge dort Asyl beantragen müssen, wo sie zuerst europäischen Boden betreten, droht ihnen aber die Abschiebung nach Italien.

Ja, wir Flüchtlinge sind Opfer dieser Gesetzgebung, die uns von Land zu Land schiebt. Die spielen mit uns wie mit einem Fußball.

Dagegen protestieren Sie heute zum zweiten Mal in drei Wochen. Was wollen Sie erreichen?

Aufmerksamkeit, weil viele Leute nicht wissen, was unser Problem ist. Sie wissen nicht, dass die Polizei morgens um vier Uhr kommt, um uns abzuschieben. In Italien war mein Leben bedroht, man kann mich nicht zwingen, dorthin zurückzugehen. Dagegen werde ich mich wehren. Wir alle sind nicht hier, um Urlaub zu machen, sondern um Schutz, Würde und Gerechtigkeit zu finden.

Warum demonstrieren sie ausgerechnet vor den lokalen Parteizentralen von CDU und SPD?

Beide Parteien sind als Teil der Bundesregierung Unterstützer des Dublin-Systems. Wir möchten sie fragen, warum sie dieses System unterstützen. Wir sind doch der lebende Beweis für die Probleme des Systems.
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Schon im März haben Flüchtlinge in Frankfurt demonstriert, in Hanau hat sich ein Lampedusa-Bündnis gegründet. Formiert sich gerade eine neue Flüchtlingsbewegung in der Region?

Ja. Gemeinsam für die eigenen Rechte einzutreten, hilft gegen die Angst. Wir sind nicht nur Flüchtlinge, die in Italien registriert sind, sondern mittlerweile haben sich uns viele angeschlossen, die andere Probleme haben. Manche warten monatelang auf eine Anhörung im Asylverfahren, manche müssen mit sechs Leuten in einem Zimmer schlafen. Außerdem haben wir viel Solidarität von den Aktivisten der Frankfurter No-Border-Gruppe bekommen. Denn als wir anfingen, die erste Demonstration zu organisieren, wussten wir gar nicht, wo wir sie anmelden müssen.

Wird es von nun an regelmäßig Proteste in Frankfurt geben?

Ja, wir haben doch keine Alternative. Unser Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrzunehmen ist die einzige Art und Weise, wie wir ein wenig Einfluss nehmen können. Das Dublin-System und Abschiebungen nach Italien sind ein europäischer Skandal. Es ist enttäuschend für die Demokratie. Aber niemanden kümmert das, wir werden ignoriert und marginalisiert. Deshalb erheben wir jetzt unsere Stimme.

Interview: Marie-Sophie Adeoso
AUTOR
Marie-Sophie Adeoso
Marie-Sophie Adeoso
Redakteurin, Frankfurt/Rhein-Mainmm

Europe pushes us back and forth”

Where Paulos Yacob comes from, people are “arbitrarily killed and arrested,” says the refugee activist from Eritrea. Also in Italy his life was threatened, and yet he shall back there. In FR interview he talks about today’s demonstration against the EU asylum laws that treat people as pawns.

Mr. Yacob why you have fled to Europe?
I come from Eritrea, a dictatorship where people are arbitrarily arrested and killed. I fled from there to find peace, dignity and protection. About the Sudan, Syria and Turkey, I came across the Mediterranean to Italy.

Why do you have traveled from there to Germany?
I only had forged papers and it took years before I got legal. I could not work at this time and slept on the street. That was hard, once someone has attacked me with a knife and tried to kill me. I have not fled from Eritrea to risk my life in Italy, but to save it!

Now you live in Eschborn. How are you there?
Once I was in Italy, I did not expect to be treated somewhere hospitable. I thank the German Government that I can now live in a good situation. I have my own room, I get money for food. Before, I thought that Europe did not respect Geneva Convention. But here I’ve noticed: There’s justice. You can even demonstrate without fear here.

According to the Dublin Regulation in the EU asylum law, which requires refugees to seek asylum there where they enter first European soil, refugees are threatened with deportation to Italy.
Yes, we are victims of these refugees legislation that pushes us from country to country. The play with us as with a football.

Against this you are protesting today for the second time in three weeks. What do you want to achieve?
Attention because many people do not know what our problem is. You do not know that the police come in the morning at four clock to deport us. In Italy, my life was in danger, you can not force me to go back there. On the other hand I will defend myself. We all are not here to go on holiday, but to find protection, dignity and justice.

Why do you demonstrate just before the local party headquarters of the CDU and SPD?
Both parties are available as part of the Federal Government supporters of the Dublin system. We want to ask them why they support this system. We’re living proof of the problems of the system.

In March refugees have demonstrated in Frankfurt, in Hanau, a Lampedusa Alliance was established. Has there been formed just a new movement of refugees in the region?
Yes. to stand up together for their rights, helps against fear. We are not only refugees who are registered in Italy, but now many have connected to us who have other problems. Some wait months for a hearing in the asylum process , some have to sleep with six people in a room. We also got a lot of solidarity by the activists of the Frankfurt No Border group. Because when we started to organize the first demonstration, we did not know where we need to register it.

Will there be protests in Frankfurt regularly from now on?
Yes, because we have no alternative. Exercise our right to freedom of demonstration is the only way how we can take a little influence. The Dublin system and deportation to Italy are a European scandal. It is disappointing for democracy. But no one cares, we are ignored and marginalized. So now we raise our voices.
unprotected refugee
Paulos Yacob

Interview: Marie -Sophie Adeoso

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